Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich
03.06.2008
Fonds «Forschung Ellen Rifkin Hill»
1. Der Fonds «Forschung Ellen Rifkin Hill»
Durch eine Schenkung der 1999 verstorbenen Frau Ellen Rifkin Hill, einer mit der Analyse des sozialen Wandels befassten Soziologin, stehen dem Schweizerischen Sozialarchiv jährlich Forschungsmittel zur Verfügung. Diese werden für die Finanzierung von historischen, sozial- und kulturwissenschaftlichen Projekten, die in einem engen Bezug zu den Quellenbeständen und den Fragestellungen des Sozialarchivs stehen, verwendet. Dabei werden einerseits Projekte zu einem jeweils für eine ca. dreijährige Periode bestimmten Schwerpunktthema gefördert. Andererseits können thematisch frei gewählte Projekte, insbesondere Dissertationen an Schweizer Hochschulen und quellenerschliessende Forschungsvorhaben, finanziell unterstützt werden. Die Ausschreibung richtet sich an Personen, die in eine universitäre Institution eingebunden sind oder die eine universitär qualifizierte Bezugsperson namhaft machen können, welche das Projekt wissenschaftlich begleitet.
2. Die erste Ausschreibung
Die erste Ausschreibung fand im Frühjahr 2007 statt. Für die Periode 2008 bis 2010 setzt das Schweizerische Sozialarchiv den Schwerpunkt in der Erforschung der Geschichte der schweizerischen Arbeiterbewegung. Im Fokus stehen die zentralen Themen, die krisenhaften Umbruchphasen und die Konfliktkonjunkturen, welche die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung herausgefordert haben. Dabei geht es nicht um eine Geschichte der Arbeiterbewegung im herkömmlichen Sinn. Geschichtsschreibung, die nach dem Modell Von den Anfängen bis zur Gegenwart verfährt, verfällt allermeist einer Kontinuitätsillusion. In kritischer Absetzung gegen solche erfundenen Traditionen sollen sich Schwerpunktprojekte auf Krisen- und Umbruchphasen konzentrieren. Gefragt sind auch nicht thematische Längsschnitte. Vielmehr soll untersucht werden, wie in jenen vergangenen Gegenwarten, die als besonders krisenhaft erfahren wurden, Lernprozesse ausgelöst und Traditionen dynamisiert wurden. Angestrebt wird eine Geschichte, welche die Interaktion zwischen gesellschaftlichem Wandel und sozialer Bewegung an exemplarischen Beispielen, die auch aktuell von Bedeutung sind, herausarbeitet. Es werden nur Projekte berücksichtigt, welche diese Zielsetzung explizit enthalten.
Zu den thematisch frei gewählten Projekten gibt es keine inhaltlichen Vorgaben. Auch sie müssen jedoch einen engen Bezug zu den Quellenbeständen und Arbeitsgebieten des Sozialarchivs aufweisen. In diesem Bereich können sich nur Einzelpersonen bewerben.
3. Die genehmigten Projekte der ersten Ausschreibung
a) Dissertationsprojekte
Julia Casutt-Schneeberger (Universität Zürich)
Der Einfluss des Konjunkturzyklus auf die Streikaktivität. Fallbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Zeitraum von 1945 - 2006.
Morena La Barba und Christian Stohr (Universität Genf)
Les Syndicats suisses face au grand flux migratoire italien de 1946 - 1964. Visions institutionelles et mémoire des travailleurs étrangers.
Linda Rohrer (Universität Bern)
Die Sozialpolitik der Schweizer Gewerkschaften.Eine Analyse der Umbruchphasen von Unterstützungskassen, Tarifvertrag und Gesetz.
Susanne Weibel (Universität Zürich)
Zwischen Politik und praktischer Humanität: Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk.
Rebekka Wyler (Universität Zürich)
Schweizer Gewerkschaften im Kontext der europäischen Integration 1965 bis 2005.
Oliver Wyss (Universität Bern)
Die Fortschrittskritik der Progressiven. Die Linke und die Grünen zwischen Sozialismus und Ökologie 1968 - 1990.
b) Forschungsprojekte
Stefan Howald (Solifonds)
Dieses kostbare Gut der Solidarität. 25 Jahre SOLIFONDS - Solidaritätsfonds für soziale Befreiungskämpfe in der Dritten Welt. (abgeschlossen)
Stefan Länzlinger und Thomas Schärer (Schweizerisches Sozialarchiv)
Film und Arbeiterbewegung in der Schweiz 1925 - 1947.
Carola Togni et Jean-Pierre Tabin (Ecole d'étude sociales et pédagogiques Lausanne)
Le rôle du mouvement ouvrier dans la mise en place de l'assurance chômage en Suisse 1924 - 1982.
c) Quellenerschliessungsprojekte
Angela Zimmermann (Schweizerisches Sozialarchiv)
Die Überlieferungssicherung des Archivs der Frauenbefreiungsbewegung (FBB) Zürich. (abgeschlossen)
Gabriele Rossi (Fondazione Pellegrini-Canevascini)
Fonti per lo studio del movimento operaio ticinese nel periodo 1945 - 1970.
4. Nächste Ausschreibungen
Für 2009 stehen noch sehr wenige Zusatzmittel für kleine, einjährige Projekte zur Verfügung. Ein Projekt kann sich auf das Schwerpunktthema Geschichte der schweizerischen Arbeiterbewegung beziehen oder es kann thematisch frei, jedoch im Kontext der Quellenbestände und Fragestellungen des Schweizerischen Sozialarchiv stehend, sein. Ein entsprechendes Gesuch muss bis spätestens 15. August 2008 beim Schweizerischen Sozialarchiv eingereicht werden. Es gilt das Datum des Poststempels. Das Gesuch muss elektronisch sowie per Post eingesandt werden. Angaben zur Gesuchstellung finden Sie in der gesonderten Anleitung (PDF, 24 KB). Projektbeginn ist der 1. November 2008 oder nach Vereinbarung.
Die zweite Ausschreibung mit einem neuen Schwerpunktthema wird im Frühling 2009 publiziert. Im Rahmen der zweiten Ausschreibung können wiederum Gesuche für mehrjährige Projekte (Dissertations- und Forschungsprojekte) eingereicht werden. Gesuche können dann bis 15. August 2009 eingereicht werden. Projektbeginn anfangs 2010.
Adresse und Kontakt
Schweizerisches Sozialarchiv
Kommission «Forschung Ellen Rifkin Hill»
Stadelhoferstrasse 12
8001 Zürich